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Gassi-Runden teilen, ohne dein Zuhause zu verraten

Eine öffentlich geteilte Gassi-Runde zeigt fast immer, wo du wohnst, und viele davon zeigen, wann du nicht da bist. Die meisten Apps schneiden deshalb Anfang und Ende der Route ab. Das schützt weniger, als man denkt: Zwei Studien fanden die meisten so geschützten Wohnorte trotzdem. Verlässlich ist nur, was gar nicht öffentlich ist.

Von Felix Klieber · Aktualisiert am 29. September 2026 · Lesezeit ca. 5 Minuten

Warum eine Runde an der Haustür beginnt

Eine Wanderung beginnt am Parkplatz, eine Gassi-Runde an der Wohnungstür. Sie führt um den Block, durch den Park oder an den Fluss und endet dort, wo sie angefangen hat. Auf einer einzelnen Karte fällt das kaum auf. Legt jemand drei oder vier Runden übereinander, treffen sich alle Linien an derselben Stelle, und eine Kartensuche liefert das Haus dazu.

Das gilt für jede App, die Routen öffentlich zeigt. Die meisten bieten eine Schutzzone an, die die ersten und letzten Meter entfernt, bevor andere die Route sehen. Wie viel das bringt, ist inzwischen gut untersucht.

Wie gut schützt ein abgeschnittener Startpunkt?

Zwei Forschungsteams haben es an öffentlichen Daten einer großen Fitness-Plattform geprüft. Um Hunde ging es dabei nicht, die Mechanik ist aber dieselbe: Die Route beginnt zu Hause, und die App schneidet einen Kreis um den Start heraus.

Forschende der University of Illinois werteten 2018 einen Monat Aktivitäten aus, rund 21 Millionen Einträge von 3 Millionen Menschen (Hassan u. a., USENIX Security 2018). Ihr Ansatz ist Geometrie. Wird eine Route am Rand des Kreises abgeschnitten, liegt ihr sichtbares Ende genau auf diesem Rand. Ein paar solcher Enden reichen, um den Kreis zu rekonstruieren und damit seinen Mittelpunkt. Bei Personen mit mehr als einer geschützten Aktivität fanden sie 84 Prozent der geschützten Orte, ab drei Aktivitäten 95,1 Prozent. Selbst beim größten Radius, den die Plattform anbot, etwa einem Kilometer, waren es noch 44 Prozent.

Ein Team der KU Leuven ging 2022 weiter und nahm 1,4 Millionen Aktivitäten, das Straßennetz und die Distanz dazu, die zu jeder Runde angezeigt wird (Dhondt u. a., ACM CCS 2022). Wer weiß, wie lang die ganze Runde war, kann ausrechnen, wie weit es vom sichtbaren Ende noch bis zur Tür ist. So fanden die Forschenden bis zu 85 Prozent der Zonen mit 200 Metern Radius, der häufigsten Einstellung, und 55 Prozent bei einem Kilometer. Auch Zonen, deren Mittelpunkt absichtlich verschoben war, hielten nicht. In Gegenden mit wenigen Straßen war der Angriff erfolgreicher.

Beide Teams empfehlen dasselbe: größere Zonen, einen zufälligen statt festen Rand und eine gerundete statt exakte Distanz. Die kleinsten Zonen in beiden Studien hatten etwa 200 Meter Radius. Gassi-Apps schneiden oft deutlich weniger ab.

Wann du nicht zu Hause bist

Die Adresse ist nur ein Teil des Problems. Aus einer einzelnen Runde liest jemand eine Gegend ab. Aus zwölf liest er, dass du werktags gegen 6:40 Uhr für eine halbe Stunde aus dem Haus gehst, dass die Abendrunde länger dauert und dass in einer Woche im Februar gar nichts kam. Ein einzelner Eintrag verrät dabei wenig, erst die Menge zeigt deinen Tagesablauf.

Wie weit das gehen kann, zeigte Anfang 2018 ein australischer Student. Auf der weltweiten Aktivitätenkarte eines Sport-Dienstes erkannte er Militärstützpunkte in Syrien und im Irak, gezeichnet von den Laufrunden der Soldaten, die dort stationiert waren (ABC News, 29.01.2018). Keine einzelne Aufzeichnung war auffällig.

Was beim Teilen tatsächlich hilft

  • Nicht öffentlich teilen. Ist das Konto privat, sehen nur Menschen deine Runden, denen du selbst Zugriff gegeben hast; Fremde können dann keine Runden sammeln. Das schützt Adresse und Tagesablauf zugleich. Sieh dabei auch nach, wer schon folgt.
  • Die Schutzzone auf das Maximum stellen, das deine App erlaubt. Mehr Radius hilft laut beiden Studien am meisten. Auf dem Land wirkt er schwächer, weil nur wenige Wege in die Zone hineinführen.
  • Nicht jede Runde teilen, und nicht immer die vom selben Wochentag. Ein Muster braucht Wiederholung.
  • Die eigene Runde von außen ansehen. Öffne eine geteilte Runde aus einem zweiten Konto oder auf dem Handy von jemandem, der deinem Hund folgt, und schau, wo die Linie beginnt. Dann weißt du, was andere sehen.
  • An Lücken denken. Zwei Wochen ohne Runde sagen jemandem, der mitliest, dass du wahrscheinlich verreist bist.
  • Die Aufzeichnung erst ein paar Straßen weiter zu starten, hilft gegen die Adresse. Gegen die Uhrzeiten hilft es nicht.

Zwei Prüfungen für jede App

Egal welche App du nutzt, zwei Blicke in die Einstellungen deines Handys lohnen sich.

  • Ortung „Immer“ oder „Beim Verwenden“? „Immer“ kann einen Grund haben, etwa damit die Aufzeichnung bei gesperrtem Bildschirm weiterläuft. Eine gute App nennt diesen Grund und zeichnet auch mit „Beim Verwenden“ auf. Probier es mit einer kurzen Runde aus, bevor du mehr erlaubst.
  • Welche Berechtigungen will die App noch? Jede sollte zu etwas passen, das du in der App siehst. Zugriff auf das Mikrofon ohne Sprachfunktion oder auf das Adressbuch ohne Einladefunktion ist eine Nachfrage wert.

Was Barnaby davon abdeckt

Standardmäßig schneidet Barnaby Anfang und Ende jeder Runde ab, bevor sie jemand anderes sieht, und zwar ab der ersten. Voreingestellt sind 50 Meter, einstellbar von 25 bis 125; du kannst auch nur ein Ende kürzen oder den Schutz abschalten. Der Schnitt liegt exakt am eingestellten Radius, ohne Zufall, und Distanz und Dauer zählen die ganze Runde. Das ist genau das, was die beiden Studien ausnutzen. Der Schutz entfernt also den Punkt, nicht das Muster.

Neue Konten sind öffentlich, außer bei Nutzer:innen unter 18. Wer das nicht will, stellt das Konto auf privat; wie das geht, steht in der FAQ. Wie der Schnitt auf der Karte aussieht, zeigt der Abschnitt Heimzone auf der Startseite.

Quellen

Beide Studien haben wir am 29. September 2026 im Volltext gelesen. Sie beruhen auf Daten einer Fitness-Plattform, nicht auf Gassi-Apps. Übertragbar ist die Mechanik, nicht jede einzelne Zahl.

Barnaby herunterladen Kostenlos für iOS und Android