Ein Student, eine Fitness-Karte und mehrere Militärbasen
Im November 2017 veröffentlichte der Sport-Dienst Strava eine weltweite Aktivitaetenkarte: alle Aktivitäten seiner Nutzer, zusammengelegt zu einem einzigen Bild aus rund einer Milliarde Aufzeichnungen und etwa drei Billionen GPS-Punkten. Zwei Monate lang fiel niemandem etwas auf.
Ende Januar 2018 sah sich Nathan Ruser, ein zwanzigjähriger australischer Student, die Karte über Syrien an. In einer Gegend, die ansonsten dunkel war, leuchteten klare Umrisse — Rechtecke, Wege, Rundkurse. Es waren Militärbasen, gezeichnet von den Laufrunden der Soldaten, die dort stationiert waren. Dazu Patrouillenwege und Versorgungsrouten in Irak und Afghanistan. Das US-Verteidigungsministerium leitete daraufhin eine Überprüfung seiner Vorgaben zu GPS-Geräten ein.
Der Punkt an dieser Geschichte ist nicht, dass jemand unvorsichtig war. Die Betroffenen waren ausgebildet, sicherheitsbewusst und hatten allen Grund zur Vorsicht. Keine einzelne Aufzeichnung verriet etwas. Erst die Menge tat es.
Warum viele Runden mehr sind als eine oft
Eine einzelne Route ist ein Ort. Viele Routen sind eine Gewohnheit — und Gewohnheiten sagen etwas über die Zukunft, was ein Ort nicht kann.
Übertragen auf einen Hundehalter: Aus einer geteilten Runde liest jemand ab, dass du irgendwo in dieser Gegend wohnst. Aus zwölf liest er, dass du werktags gegen 6:40 Uhr für fünfundzwanzig Minuten aus dem Haus gehst, dass die Abendrunde am frühen Abend liegt und länger daürt, dass sonntags zwei Stunden dazukommen — und dass in der Woche vom 14. bis 21. gar nichts aufgezeichnet wurde, du also vermutlich weg warst.
Nichts davon steht irgendwo geschrieben. Es ergibt sich aus Zeitstempeln, die für sich genommen völlig harmlos aussehen. Genau das macht Aggregation zu einem Problem, das man beim Teilen einer einzelnen Runde nicht wahrnimmt: Jeder Beitrag für sich ist unbedenklich, und trotzdem wächst mit jedem das Bild.
Was dagegen hilft — und was nicht
Der verbreitetste Behelf ist, die Aufzeichnung erst ein paar Straßen weiter zu starten. Gegen die Adresse hilft das etwas. Gegen das Muster hilft es nicht, denn das Muster steckt in den Uhrzeiten und in der Regelmäßigkeit, nicht im Startpunkt. Wer jeden Werktag um 6:40 Uhr eine Runde teilt, teilt seinen Tagesablauf, ganz gleich, wo die Linie anfängt.
- Was wirklich wirkt: nicht öffentlich teilen. Ein privates Konto beendet das Aggregationsproblem vollständig, weil es kein Publikum gibt, das etwas zusammensetzen könnte. Alles andere sind Abstufungen.
- Nicht jede Runde teilen. Ein Muster braucht Wiederholung. Wer die Hälfte für sich behält, halbiert nicht das Risiko, sondern macht die Ableitung deutlich unschärfer — vor allem, wenn nicht immer dieselbe Hälfte geteilt wird.
- Prüfe, ob die Uhrzeit mitveröffentlicht wird und wie genau. „Vor drei Tagen“ ist etwas anderes als „Dienstag, 6:41 Uhr“.
- Der Startpunkt-Schutz bleibt trotzdem richtig — er löst nur ein anderes Problem. Wie er funktioniert und wo seine Grenze liegt, steht auf der Seite zur Heimzone.
- Denk an die Lücken. Zwei Wochen ohne Aufzeichnung sind für jemanden, der mitliest, eine Aussage — nicht das Fehlen einer Aussage.
Was Barnaby hier leistet und was nicht
Barnaby schneidet Anfang und Ende einer geteilten Route ab, bevor sie jemand anderes sieht, und dieser Schutz ist aktiv, bevor du etwas einstellst. Das adressiert das Wo.
Das Wann adressiert es nicht. Eine öffentlich geteilte Runde trägt einen Zeitpunkt, und viele Zeitpunkte ergeben ein Muster — auch bei uns. Das ehrlich hinzuschreiben ist uns lieber, als einen Schutz zu behaupten, den es nicht gibt. Wer das Muster nicht preisgeben will, stellt sein Konto auf privat; die Aufzeichnung, die Statistik und die Karte funktionieren dann genauso, nur ohne Publikum.
Quellen
- ABC News (Australien), 29. Januar 2018: Strava has published details about secret military bases, and an Australian was the first to know — Herkunft der Entdeckung, Name und Alter von Nathan Ruser.
- NPR, 29. Januar 2018: Pentagon Reviews GPS Policies After Soldiers Strava Tracks Are Seemingly Exposed — Reaktion des US-Verteidigungsministeriums.